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Vielfältige Obstsortenausstellung trotz schlechtem Apfeljahr

Apfel- und Birnenmarkt 2026 (Bild vergrößern)
Bild zur Meldung: Apfel- und Birnenmarkt 2026

Seit über 30 Jahren lockt der vom Treffpunkt Stadtmarketing Duderstadt e.V. ausgerichtete Apfel- und Birnenmarkt Anfang Oktober zahlreiche Besucher*innen in die Duderstädter Innenstadt. Die Mischung an Angeboten zwischen sehenswerten historischen Gebäuden findet am verkaufsoffenen Wochenende immernoch viel Zuspruch. Auch wir waren wieder mit unserer Obstsortenausstellung, einem Beratungs- und Verkostungsstand und dem Angebot einer Sortenbestimmung durch den renommierten Bielefelder Pomologen Hans-Joachim Bannier dabei. 

 

Sorte für Sorte zur Obstsortenausstellung

Da wir unsere Ausstellung nicht einfach aus dem Keller holen können, sondern jedes Jahr Sorte für Sorte neu sammeln müssen, hatten wir in diesem ziemlich schlechten Apfeljahr einige schlaflose Nächte, ob wir denn wenigstens 80 bis 100 Sorten zusammenbekommen würden. Zumal in unseren eigenen Sortengärten viele Bäume kaum vorzeigbare Früchte trugen. Da wir aber mehr Wuchsorte von inzwischen mehreren hundert Apfel- und Birnensorten im Landkreis Göttingen kennen, lagen nach drei anstrengenden Sammelwochen, ergänzt durch einige Früchte die von Besuchern gebracht wurden, schließlich insgesamt 136 Apfel- und 29 Birnensorten und einige Quitten auf den Ausstellungstischen. Das sind nur unwesentlich weniger als im Superobstjahr 2025! Darauf waren wir natürlich sehr stolz, und haben uns gefreut, dass viele Interessierte den Weg in die Kulturstube gefunden haben. Außerdem haben uns die vielen positiven Rückmeldungen motiviert die ausführlichere Beschilderung und die Präsentation der vielen Sorten im nächsten Jahr weiter zu perfektionieren.

 

Sortenbestimmung 2026 - keine leichte Sache

Die Schlange am Sortenbestimmungstisch war dieses Jahr nicht so lang wie 2025. So konnte Hans-Joachim Bannier sich, wenn die Besucher zu kleine oder zu große Früchte gebracht haben, nebenbei mehr Zeit nehmen für kurze Baumschnitttipps. Er musste sich aber auch oft länger mit der eigentlichen Sortenbestimmung beschäftigen. Grund war, dass viele Früchte dieses Jahr untypisch viel Rost im Kelchbereich aufwiesen oder wegen Apfelwicklerbefall keine gut ausgebildeten Kerne mehr zur Verfügung standen, um sie mit der großen Kernsammlung im Pomologen-Laptop zu vergleichen. Dazu kam, dass einige Besucher:innen in diesem schlechten Obstjahr höchstens einen Apfel pro Sorte statt der gewünschten drei bis fünf Früchte für den Pomologen entbehren konnten. Das erschwerte die Bestimmung zusätzlich. Manches Ergebnis musste Bannier also am Ende trotz aller Bemühungen ehrlicherweise mit einem kleinen oder auch größeren Fragezeichen versehen und die Besucher:innen bitten, nächstes Jahr mit typischeren Früchten wiederzukommen.

 

Das Wochenende in Zahlen

Dank der exakten Dokumentation der Bestimmungsergebnisse durch unseren engagierten Baumwart Mario Becker können wir wieder eine genaue Bilanz ziehen: 225 Apfelproben konnten eindeutig einer bestimmten Sorte zugeordnet werden, gegenüber 420 Proben im Vorjahr. Dabei wurden insgesamt 84 Apfelsorten gefunden (2025: 127 Sorten). 62 Proben blieben unbekannt oder unbestimmbar (2025: 84 Proben). Von den vorgelegten 31 Birnenproben (2025: 37) konnten 24 einer von 14 Birnensorten zugeordnet werden, 7 Proben blieben unbestimmt. 

 

Sortenfunde

Besonders spektakuläre Bestimmungsergebnisse gab es in diesem Jahr kaum. Es tauchten beispielsweise weitere Fundorte von Hesselmanns Schlotterapfel auf, die vermutlich allesamt aus einem Flurbereinigungsverfahren vor 20 Jahren stammen. Auch die seltene Sorte Lombarts Kalvill war wieder dabei. 

Noch mehr als in den vergangenen Jahren lagen neuere Sorten auf dem Bestimmungstisch, vor allem der aus dem Supermarkt bekannte Jonagold, oder der ebenfalls schorfempfindliche, aber als lange lagerfähig und regelmäßig tragend bekannte und beliebte Gloster. Einerseits spiegelt dies das Angebot in den Baumschulen, Baumärkten und manchmal auch im Discounter wieder, das sich leider zu wenig nach Kriterien wie Krankheitsanfälligkeit und Wuchseigenschaften richtet. Andererseits zeigt es auch die Eigenschaft vieler neuerer Sorten, regelmäßiger, also auch in diesem Jahr, zu tragen und nicht so stark zwischen guten und schlechten Ertragsjahren zu alternieren. Unter den alten Apfelsorten waren dieses Jahr Cox Orange, Geheimrat Dr. Oldenburg und die Goldrenette aus Blenheim die häufigsten. Die Goldparmäne, letztes Jahr Spitzenreiter, war in diesem Jahr deutlich seltener. Bei den Birnen fanden sich am häufigsten, wie im Vorjahr, Köstliche aus Charneu, Gräfin von Paris und Alexander Lucas.

 
Viel zu tun für den Winter

Besonders interessant waren für uns aber wieder einige Früchte, deren Eigentümer ohne passenden Namen nach Hause geschickt wurden. Das gilt insbesondere für einige unbekannte Birnensorten, die auf inzwischen uralten, also mindestens 100-jährigen Bäumen die sortenvielfaltsfeindlichen Zeiten überdauert haben. Wir hoffen, dass wir im kommenden Winter genug Zeit für den Schnitt von Reisern und die Anzucht neuer Bäume dieser alten Unbekannten haben, die dann auch einen Platz in unseren Sortengärten und hoffentlich auch wieder auf manch privater oder öffentlicher Streuobstwiese finden werden.