FFH-Gebiet 143 "Bachtäler im Kaufunger Wald"
Allgemeine Informationen zum Gebiet
Im südlichsten Zipfel des Landkreises, in der Gemeinde Staufenberg, befindet sich das FFH-Gebiet „Bachtäler im Kaufunger Wald“. Es umfasst mehrere Bachläufe und deren angrenzende Lebensräume im Kaufunger Wald – ein Mittelgebirge, das sich über die Landesgrenzen hinaus auch über Teile Nordhessens erstreckt. Dabei sind die bewaldeten Bereiche als Landschaftsschutzgebiet und die Grünlandflächen als Naturschutzgebiet eingestuft.
Der geologische Untergrund des Kaufunger Waldes besteht vorwiegend aus Buntsandstein. Entlang der auch im Sommer kühlen Bäche erstrecken sich Auenwälder mit Erlen, Eschen und verschiedenen Weidenarten sowie feuchte Hochstaudenfluren. Daran angrenzend haben sich durch extensive Grünlandnutzung im Laufe von Jahrhunderten sehr artenreiche Glatthaferwiesen, Borstgrasrasen sowie Feuchtwiesen entwickelt. Dort kommen seltene und teils gefährdete Pflanzenarten wie das Wald-Läusekraut (Pedicularis sylvatica), das Kleine Helmkraut (Scutellaria minor) oder Teufelsabbiss (Succisa pratensis) vor. Die schmalen, steilen Flächen entlang der Bachtäler sind jedoch nur schwer zugänglich und nicht leicht zu bewirtschaften. Teilweise wurde die Nutzung der dorfferneren Grünlandflächen seit den 1960er Jahren aufgegeben. Hier haben sich die Feuchtwiesen zu nassen Binsen- und Kleinseggensümpfen entwickelt. Seit den 1980er Jahren wird im Rahmen des Vertragsnaturschutzes und mit der Unterstützung von passenden Agrarumweltmaßnahmen die Nutzung erfreulicherweise wieder aufgenommen. Eine wichtige Rolle spielt dabei die Beweidung, die die Artenvielfalt im Grünland in besonderem Maße fördert.
Das Hühnerfeld
Zum FFH-Gebiet 143 zählt auch das sogenannte „Hühnerfeld“. Dabei handelt es sich um eine gut 50 ha große, offene Hochfläche mit moorigen Bereichen am Westrand des Kaufunger Waldes. Der Name hat nichts mit Federvieh zu tun, sondern leitet sich von „Hünenfeld“ ab, was so viel bedeutet wie „Hohes Feld“.
Historisch wurde das Hühnerfeld insbesondere im 18. Jahrhundert gemeinschaftlich als Teil einer über 300 ha großen Allmendweide genutzt, sowie Gräser, Farne und Heidekraut als Einstreu verwendet. Das hat zur Entstehung von heute stark gefährdeten Lebensräumen wie Borstgrasrasen mit Vorkommen von Arnika oder Kleinseggenrieden und moorigen Bereichen mit typischen Pflanzenarten wie Rundblättrigem Sonnentau (Drosera rotundifolia), Weißem Schnabelried (Rhynchospora alba) oder Wollgras (Eriophorum angustifolium) geführt.
Seit Aufgabe der Hutungsnutzung Mitte des 20. Jahrhunderts breiteten sich zunehmend konkurrenzstärkere Arten wie Pfeifengras und Adlerfarn aus, die kleinwüchsige Arten verdrängen.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde zudem begonnen, das Gebiet mit der Errichtung von Gräben zu entwässern, um es waldbaulich nutzen zu können. 1968 entschied man sich jedoch, das Hühnerfeld unter Naturschutz zu stellen und die einzigartige und artenreiche Offenfläche zu erhalten. Sukzessive kaufte der Landkreis Flächen auf und initiierte in den 1990er Jahren eine extensive Beweidung – zunächst mit Islandpferden. Später kam die Beweidung mit Rindern hinzu, sodass das Hühnerfeld heute in den Sommermonaten von einer gemischten Herde aus 50 Pferden und Rindern bevölkert wird. Bereits wenige Jahre nach Beweidungsbeginn zeigten sich Erfolge: die von Adlerfarn und Pfeifengras dominierten Bestände gingen deutlich zurück und die Artenanzahl bei den Gefäßpflanzen stieg in diesen Bereichen sprunghaft an.
Weitere Informationen zum Gebiet gibt es auf der Homepage des NLWKN und auf der Seite des Naturpark Münden.
Maßnahmenumsetzung durch die Ökologische Station
Auf dem Hühnerfeld werden seit 2023 jährlich Pflegemaßnahmen durchgeführt. Die Ökologische Station hat Firmen u.a. mit der Entfernung von dichten Beständen von Adlerfarn und Brombeere mit Mulchraupe und Balkenmäher beauftragt.
Diese konkurrenzstarken Arten verdrängen kleinere, lichtliebende Arten, die für den dortigen Lebensraumtyp „artenreiche Borstgrasrasen“ charakteristisch sind.
In den Wintermonaten wurden zusätzlich in einem anderen Teil des Hühnerfelds junge Fichten und andere Gehölze entfernt, die sich dort auf den Borstgrasrasen-Flächen in den letzten Jahren ausgebreitet haben.

























