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FFH-Gebiet 139 "Seeanger, Retlake, Suhletal"

Das 390 ha große FFH-Gebiet 139 ist geprägt von Wasser und umfasst viele Feuchtbiotope um die Bachläufe von Suhle, Retlake und Aue. Es liegt zum größten Teil im Naturraum „Eichsfelder Becken“, der durch seine lössbedeckten fruchtbaren Böden vor allem ackerbaulich genutzt wird. In den kleinen Bachläufen im Gebiet kommt das besonders geschützte Bachneunauge vor. Bachbegleitende feuchte Hochstaudenfluren und kleine Auewaldreste sowie Pfeifengraswiesen und magere Flachland-Mähwiesen stellen weitere wertvolle Lebensräume dar. 

 

In der Niederung westlich von Landolfshausen, den Schweckhäuser Wiesen, wie auch in der Retlake nordwestlich von Seeburg, findet sich das landesweit größte Vorkommen von kalkreichen Niedermooren. Sie sind historisch durch Mahd oder Beweidung entstanden und benötigen weiterhin eine extensive Nutzung. Seltene Arten wie die Schmale und Vierzähnige Windelschnecke (Vertigo angustior, V. geyeri), das Breitblättrige Wollgras (Eriophorum latifolium), das Sumpfherzblatt (Parnassia palustris) oder mehrere seltene und vom Aussterben bedrohte Moosarten finden sich auf den Flächen. Die Vierzähnige Windelschnecke hat hier das derzeit einzig bekannte Vorkommen Nordwestdeutschlands. 
Östlich von Landolfshausen über Seulingen, Germershausen bis nach Rollshausen begleiten Wiesen und Weiden die Auenbereiche der Suhle. Durch eine extensive Nutzung sollen sie erhalten und die Artenvielfalt gefördert werden.

 

Exkursion der ÖSGÖLS
Schweckhäuser Wiesen
Das Breitblättrige Wollgras (Eriophorum latifolium)

 

Etwas Besonderes im FFH-Gebiet 139 ist der Bereich des Seeangers nordwestlich von Seeburg. Hier wurden in den 1990er Jahren durch den Landkreis Göttingen mithilfe verschiedener Förderungen rund 100 ha Acker- und Intensivgrünlandflächen angekauft und mittels Vertragsnaturschutz in eine extensive Grünlandnutzung zurückgeführt. Der 1994 gegründete Landschaftspflegeverband wurde mit der Suche, Beratung und Begleitung passender Landwirte als Vertragspartner betraut. Der seither wiedervernässte Seeanger übt besonders auf Vögel in einer Landschaft, die arm an Feuchtgebieten ist, eine magische Anziehungskraft aus. In manchen Frühjahren können zahlreiche Watvogelarten (Limikolen) in den Flachwasserzonen beobachtet werden, wenn sie auf dem Heimzug in ihre skandinavischen und nordasiatischen Brutgebiete eine Rast benötigen. Darunter finden sich auch immer wieder seltene Ausnahmegäste, wie z.B. Terekwasserläufer oder balzende Doppelschnepfen. Vereinzelte Bruten oder Brutversuche landes- und bundesweit hochbedrohter Arten wie Tüpfelsumpfhuhn und Wachtelkönig unterstreichen die Bedeutung des Gebiets. Der Seeanger ist der letzte Brutplatz des Kiebitzes im Landkreis Göttingen.

 

Für einen Besuch des Seeangers bietet sich der 4,7 km lange Seeanger-Rundweg an. Das gute Radwegenetz bietet verschiedene Touren entlang der Suhle und um den Seeburger See, z.B. die 12,4 km lange Radtour Seeanger
Die Homepage des NLWKN informiert über weitere Themen, wie z.B. die Sicherung und die Managementplanung des Gebietes.

 

Breitblättrige Fingerwurz (Dactylorhiza majalis), eine stark gefährdete Charakterart der basenreichen Feuchtgrünländer, hier ein Großer Bestand in der „Retlake“ im FFH-Gebiet 139. Foto: Fionn Pape
Der Seeanger wird regelmäßig durch Hochwasserereignisse, wie zum Jahreswechsel 2023/24 und im Frühjahr 2024, beeinflusst